Armenmühle

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in Neeritter

Neeritter war vor der Franzosenzeit ein Lütticher Freidorf, und die Armenmühle war die Zwangmühle für seine Bewohner. Die Mühle verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie der Armenverwaltung von Neeritter geschenkt wurde. Die Wassermühle von Neeritter wird erstmals in einem Polyptique (= Auflistung der kirchlichen Besitzungen) aus dem Jahr 1280 genannt. In den ersten Jahren hieß die Mühle auch “Neermühle“ oder „Gasthuysmühle“. Laut den alten Dokumenten (“Gichten”) der Schöffenbank von Neeritter werden 1535 bei der Armenverwaltung „300 Brabanter Gulden“ geliehen. Dieses Geld wird um 1580 zurückgezahlt, und am Rand des betreffenden Dokuments ist angegeben, dass das Geld „geemployert totten opbouw van den Ermen meulen“ (= zum Aufbau der Armenmühle verwendet) worden ist. Fassadenanker im Mühlengebäude in der Molenstraat 12 nennen das Baujahr 1686.

Laut einem anderen “Gicht” der Schöffenbank von Neeritter werden 1684 erneut “300 Brabanter Gulden“ bei der Armenverwaltung geliehen. Dazu ist am Rand angegeben, dass das Geld 1687 zurückgezahlt und zum Bau der Armenmühle verwendet worden ist. Die Mühle wird fast drei Jahrhunderte lang von der Armen-verwaltung von Neeritter verpachtet. Viele dieser alten Pachtverträge befinden sich im Stadtarchiv von Roermond.
Das Mühlengebäude hatte ursprünglich eine quadratische Form (laut einer „Carte figurative“ aus dem Jahr 1714). Aus der ersten Katasterkarte aus dem Jahr 1843 geht hervor, dass inzwischen einiges angebaut worden ist. Das Datum dieser Erweiterung ist unbekannt. Vom ursprünglichen quadratischen Teil wurde die Hälfte als Wohnraum genutzt, in der anderen Hälfte stand das Mahlwerk 1929 erhielt Neeritter Strom. Dabei wurde eine spezielle oberirdische Leitung zur Mühle verlegt, und sie erhielt einen Elektromotor, mit dem zumindest ein Mahlgang angetrieben werden kann.
Seit 1886 ist die Familie Coolen Pächter. Der letzte Müller ist Pierke Coolen. Um 1950 kann man „kein trockenes Brot“ mehr mit der Mühle verdienen. Die Armenverwaltung hat das Wasserrecht bereits 1950 ver-kauft. Als dem Sohn des letzten Müllers eine gute Stelle bei der Gemeinde (Kassierer der Gemeindesteuern) angeboten wird, zieht die Familie sofort in ein neues Haus und beendet den Pachtvertrag.

Die Bürgerliche Armenverwaltung wurde 1952 aufgehoben, danach wurde die Gemeinde Hunsel die Eigentümerin. Es war bereits klar, dass sich keine neuen Pächter/Müller mehr finden würden. Deswegen wurde das Mühlenge-bäude 1952 angepasst, als Nachbarschaftshaus eingerichtet und an das „Grüne Kreuz“, Abteilung Neeritter vermietet. Das Mahlwerk wird ausgebaut und das gesamte Holz wird von der Gemeinde, die inzwischen die Aufga-ben der Armenverwaltung übernommen hat, zu Eichenholzmobiliar verarbeitet. Der Raum mit der Toilette, dem Schweine- und dem Kuhstall wird zur Küche; hier entstehen außerdem 2 moderne Toiletten und ein Duschraum. Der Raum, in dem sich früher der Wohnbereich und die Mahlanlage befanden, wird mit zahlreichen Wickeltischen eingerichtet, die mit Trennwänden voneinander abgegrenzt sind. Neben ihrer Funktion als Nachbarschaftshaus wird die Mühle auch als „Sozialwohnung“ genutzt; verschiedene Familien, die vorübergehend eine Unterkunft benötigen, wohnen für einige Zeit in der Mühle. Das Grüne Kreuz hält in dieser Zeit nur zwei Mal pro Woche einige Stunden Sprechstunde ab. Das lässt sich gut mit der Nutzung als Wohnung kombinieren. 1961 verkauft die Gemeinde dem Grünen Kreuz das Gebäude.
Die Mühle und das Müllerhaus bildeten früher eine Einheit. In der schmalen Fassadenseite stromaufwärts befand sich früher eine schmale Eingangstür, deren Hausteinschwelle von den Schubkarren, mit denen das Getreide früher herantransportiert wurde, tief ausgewetzt war. Ein schmaler Flur führte von dieser Tür zur Mahlanlage und zum Wohnzimmer.

Um 1970 wurde an dieser Fassade ein Teil angebaut, das mit einem Pultdach an die Mühle anschloss. Hier hat der Kinderarzt seine Praxisräume. An der anderen Seite der Mühle wird auch ein Anbau angesetzt, der als Abstellort für die Kinderwagen der Mütter dient, die mit ihren Kindern in die Sprechstunde gehen.

1972 erhält diese Einrichtung eine andere Unterkunft, und sie verkauft das Gebäude an E.G.J.M. Beunen, der es als Wohnung einrichtet.
Die Mühle hatte früher Mahlgänge aus 17-er Steinen und ein Holzlaufwerk, das unter dem Steinbett lag. Ein kurzer König mit einem Stirnrad sorgte für den Antrieb der Zahnräder auf den Steinspindeln. Der oberste Scheibenlauf, in dem die Stäbe in einem schiefen Winkel angebracht waren, war auf der Unterseite am Stirnrad angebracht. Der oberste Scheibenlauf arbeitete mit einem Wellenrad zusammen, dessen Kämme in die Schrägseite der Felge gesteckt worden waren. Um einen Mahlgang abzuschalten, wurden einige Stäbe aus dem Zahnrad entfernt.
Früher hatte die Mühle ein unterschlächtiges Holzrad. In der Mitte des 19. Jahrhunderts betrug dessen Durchmesser 5,42 m und dessen Breite 0,49 m. Später wurde das Wasserrad verkleinert; der Durchmesser betrug 4,78 m und die Breite 0,42 m. Zu Beginn der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts befanden sich die Wasserbauwerke und das Wasserrad in einem schlechten Zustand.

Es ist vor allem die einflussreiche Familie (Baron) Michiels van Kessenich, die rund ein Jahrhundert lang Einwände dagegen erhebt, dass der Müller den Wasserpegel des Itterbachs erhöht (indem er die Schieber der Entlas-tungsschütze höher einstellt) und dass die Wasserbauwerke verbessert werden. 1883 erreicht dieser Streit sei-nen Höhepunkt, der Staatsrat bestimmt jedoch letztendlich, dass der Müller die übliche Pegelhöhe beibehalten darf. 1907 wird das Wasserrad in Eisen ausgeführt. Es erhält einen Durchmesser von 4,60 m und eine Breite von 0,75 m. Das heutige Wasserrad stammt aus dem Jahr 1935. Die Holzwelle wird erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine Metallwelle ersetzt. 1975 wurde der Lauf des Itterbachs bei der Mühle kanalisiert. Auch die kleine Mauer, auf der das Mühlenrad aufliegt, wird bei dieser Gelegenheit verstärkt und verbreitert. 1996 und 2008 wur-de das Rad restauriert.
Sie ist noch immer eine pittoreske und – mit der alten Kirche im Hintergrund – malerisch gelegene Wassermühle.

© P.W.E.A. van Bussel “De Molens van Limburg”. Die Genehmigung zur Veröffentlichung wurde vom Sohn des Verfassers erteilt.

Öffnungszeiten: Nationaler Mühlentag, Tag des offenen Denkmals (zweites Septemberwochenende) und Limburger Mühlentag (erster Sonntag im Oktober)

Adresse: Molenstraat 12, 6015 AC Neeritter, Telefon: (+31) (0)6-29102200