Hammer Mühle

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in Neer

Die Hammer Mühle war eine Getreide- und Sägemühle. Sie lag in der Nähe des Dorfkerns und war die erste der drei Wassermühlen, die am Neerbach lagen, wie der letzte Teil des Tungelroyse Bach, der frühere Jungeroysche Bach, genannt wurde. Die ursprünglichen Mühlengebäude stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1792; davon zeugt ein Fassadenstein mit den Inschriften J.G.H. und G.D.G. Im 18. Jahrhundert und frü-her gehörte die Mühle zu den Gütern des Schlosses Ghoor, das 1796 abgerissen wurde.

Ursprünglich handelte es sich um eine Getreide- und Ölmühle. Die Ölmühle stand am linken Bachufer, die Getreidemühle auf dem rechten. Jedes Mühlengebäude hatte ein eigenes Wasserrad. Zwischen den Mühlenschützen der beiden Mühlen befanden sich fünf Entlastungsschütze, über die das überschüssige Wasser des gelegentlich wilden Bachs abgeleitet wurde. Früher gab es noch einen kleinen Abzweigarm am linken Ufer, der jedoch mit einem Erddamm abgeschlossen war und nur in Notsituationen durchstochen wurde. Bei der Aufnahme der Mühle und der Wasserbauwerke durch die Wasserbehörde der Provinz 1856 hatte das Wasserrad der Getreidemühle einen Durchmesser von 6,12 m und eine Breite von 0,67 m; das Rad der Ölmühle hatte einen Durchmesser von 5,32 m und eine Breite von 0,56 m. Holzwasserräder hatten eine sehr begrenzte Lebensdauer und mussten regelmäßig erneuert werden. Für die Erneuerung der Räder und Schütze war die Zustimmung der Provinzverwaltung erforderlich. Nach Abschluss der Arbeiten wurden sie von der Wasserbehörde der Provinz hinsichtlich ihres Orts und ihrer Maße kontrolliert, und die Pegel und Fixpunkte wurden erneut festgelegt. Darüber wurde ein Protokoll angefertigt. Zwischen den Aufnahmen lagen dadurch Zeitintervalle von 25 Jahren und länger. Erneuerungen geschahen häufig widerrechtlich. Kontrollen ergaben, dass neue Wasserräder und Schütze manchmal andere Maße als ihre Vorgänger hatten. Bei Wasserrädern war dies zum Bei-spiel die Folge des Anbringens einer neuen Mühlenarche, das auf einem anderen Niveau oder einem Kropf lag. Bei einer Aufnahme 1892 betrugen die Maße des Wasserrads der Getreidemühle 5,94 beziehungsweise 0,80 m, die der Ölmühle 5,00 beziehungsweise 0,6 m.

Fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch war die Mühle mit dem Wohnhaus, das an der lin-ken Mühle angebaut war, Eigentum der Familie Geenen, Bauern in Neer. Anfangs war Theodorus Geenen Eigentümer, danach die Erben Johannes und Sophia. Nach der Aufteilung des Nachlasses 1849 wurden Willem, Theodorus und Wilhelmina Geenen Eigentümer. Nach der Aufteilung 1859 besaßen Anna Maria, die Ehefrau von Mathijs Peters, Zimmermann in Neer, und Anna Elisabeth, die nicht verheiratet war, jeweils 1/6, die übrigen Teile besaßen Theodorus und Wilhelmina. Ein Jahr später fand eine neue Teilung statt, bei der Theodorus und Wilhelmina Geenen, beide Bauern in Neer, und Mathijs Peeters jeweils zu 1/3 Eigentümer wurden. Nach dem Tod von Peeters fiel dessen Anteil an seine Witwe Maria Peeters-Geenen und seinen Sohn Jan Willem, Lehrer am Bischöflichen Kolleg Roermond. 1894 wurde Jacob oder Jacobus van Esser, der damals der Müller der Uffelse Mühle in Hunsel war, durch Kauf Eigentümer. Er ließ sich 1896 in Neer nieder und verpachtete die Uffelse Was-sermühle.
Die Hammer Mühle lag günstig in der Mahlanlage, die Lage der Getreidemühle am rechten Bachufer war jedoch nicht besonders praktisch. Zu Beginn dieses Jahrhunderts war zudem der Anbau von Raps, aus dem Öl gewonnen wurde, rückläufig. Für die Ölmühlen lohnte sich dieser Betrieb auf die Dauer nicht mehr. Die Verwendung von Rapsöl, das hauptsächlich zum Braten benutzt wurde, nahm ab.
Van Esser beschloss, die Getreidemühle am rechten Ufer abzureißen und die Ölmühle auf dem linken Ufer mit einem neuen Mahlwerk und einer Turbine einzurichten. An die ehemalige Ölmühle wurde ein Turbinenraum angebaut, dessen Pultdach an das vorhandene Walmdach anschloss. Die Genehmigung für die Änderungen erteilte die Provinzverwaltung 1905. In den Jahren 1907 und 1908 wurden weitere Erweiterungen durchgeführt; es kam unter anderem ein Sägewerk hinzu, das hinter der Getreidemühle lag.

1916 ließen die Erben Van Esser einen Generator für die Erzeugung von Elektrizität im Turbinen-raum aufstellen, der mit einem Riemen von der Mühlenwelle angetrieben wurde. Der Generator versorgte anfangs einen kleinen Teil von Neer mit elektrischem Licht und lieferte auch den Strom für die Motoren des Sägewerks. Die Mahlvorrichtung bestand aus einem Mahlgang aus blauen deutschen Steinen und einem Mahlgang aus Kunststeinen. Die zwei langen Steinspindeln wurden mit Hilfe konischer Zahnradübertragungen von der Mühlenwelle angetrieben, die im Erdgeschoss gelagert war. Die Mühlenwelle trieb mit einem Riemen außerdem eine Transmissionswelle an, die auf dem (Stein)Boden lag. An diese Welle waren ein Getreidereiniger, ein Ölkuchenbrecher, ein Haferzerkleinerer und ein Mischer mit einer Gurttransmission angeschlossen. In ihrer Zeit war sie eine vollständig eingerichtete Dorfmühle. Nach dem Tod von Jacob van Esser fiel die Mühle mit Zubehör an die drei Kinder Jan oder Johannes Cornelis, der Holzhändler in Neer war, Peter Nicolaas, Missionar in Kan Su in China, und Bertha Aldegonda, die in Neer wohnte. Unter der Leitung von Jan van Esser, der 1917 bei der Erbauseinandersetzung die Hammer Mühle mit dem Wohnhaus erhielt, nahm vor allem der Holzhandel beständig zu. 1926 verkaufte Van Esser den Betrieb an Henri oder Renier Henri Hubertus Nijs, Müller und Getreidehändler in Leveroy. In diesem Jahr hatte er die in Konkurs gegangene Fabrik N.V. „Het Steel” mit dem Dampf- und Wasserkraftwerk in Roermond gekauft, und er verlegte seinen Holzhandel zum Steel-Komplex. Nijs verkaufte seine Windmühle „De Volharding“ (= Die Ausdauer) in Leveroy an L. Vossen in Nederweert und ließ sich in Neer nieder, wo er seinerzeit ein gut gehendes Geschäft hatte und zu den führenden Müllern in Mittellimburg zählte. Obgleich viele Mühlen in Limburg in den Kriegsmonaten von 1944-1945 eine wichtige Rolle in der Nahrungsmittelversorgung der örtlichen Bevölkerung gespielt haben, gelang es manchen Wassermühlen, dazu einen besonderen Beitrag zu liefern.

Wassermühlen hatten kein auffallendes Gebäude, das ein Ziel für die Artillerie darstellte. Auch die deutschen Sprengkommandos, die Windmühlen, Kirchtürme, Brücken und andere Objekte in die Luft jagten, die für den Feind nützlich sein konnten, kümmerten sich nicht um die Wasserbauwerke und die Brücke bei den Wassermühlen, die nicht an einer wichtigen Straße lagen. Eine der Wassermühlen, die in den unruhigen Zeiten vor und nach der Befreiung einen solchen wichtigen Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung leistete, war die Hammer Mühle. Von Oktober 1944 bis zum 1. März 1945 war auch Neer von der Elektrizität abgeschnitten. Die Turbine mit dem Generator war noch in der Lage, die Häuser im Dorfkern und die Büros der Alliierten, die in einer Reihe von Gebäuden untergebracht waren, mit elektrischem Licht zu versorgen. Sogar die örtliche Brauerei „De Lindeboom” konnte weiterhin brauen, so dass die Rohstoffe, die verderblich waren, verarbeitet werden konnten. In den Monaten nach der Befreiung, als Neer unter dem Beschluss der hinter dem östlichen Maasufer aufgestellten deutschen Kanonen lag und ein Teil des Dorfs evakuiert wurde, blieb Henri Nijs mit einigen Familienmitgliedern zurück, um sich um die Elektrizitätsversorgung zu kümmern. Das wussten die örtlichen Militärbehörden sehr zu schätzen, und zum Schutz des Generators mit dem Antrieb gegen Granatsplitter ließen sie die Anlage von Sandsäcken umgeben, die zwei Meter hoch aufgestapelt wurden. Auch die Bäcker verlegten einen Teil ihrer Arbeiten in die Mühle, weil die Teigmaschinen nicht mehr benutzt werden konnten. Man fand eine Lösung, indem eine Maschine zur Mühle ge-bracht und an den Antrieb angeschlossen wurde. Der zubereitete Teig wurde anschließend in Kisten zum Backen in die Bäckereien gebracht. Im Frühjahr 1945 endete diese Notsituation.
1956 wurde die Mahlanlage um eine elektrische Hammermühle für das Vermahlen von Viehfutter erweitert, die von der Maschinefabrikriek Van Aarsen aus Panheel geliefert wurde.

Der Verkauf des Staurechts an die Wasserbehörde „Mittellimburg“ im Jahr 1955 bedeutete faktisch das Ende der Wassermühle. Einige Jahre konnte noch hin und wieder und wenn es erforderlich war, mit Wasserkraft gemahlen werden, kurz nach 1960 war dies jedoch nicht mehr möglich. Damals bestand auch kein Bedarf mehr an mit Mahlgängen gemahlenem Mehl. Die Lohnmühle war praktisch völlig verschwunden. Henri Nijs, der letzte Wassermüller, starb 1960. Der Getreide- und Holzhandel wurde von seinem Sohn Johannes Joseph, der mit Elisabeth Spierts verheiratet war, fortgeführt.
Im darauf folgenden Jahr wurde eine Gesellschaft unter dem Namen „Firma Henri Nijs" mit Sitz in Neer gegründet.
1963 wurde der Mahlbetrieb eingestellt, 1968 folgte das Sägewerk. Der Neerbach verlief inzwischen unterirdisch, und die Mühle lag auf dem Trockenen. Einige Zeit später zog ein Maler in das Müllerhaus, der in der Mühle sein Atelier einrichtete. Die alte Mühlenumgebung ist zurzeit ein Wohnviertel, und nur der Straßenname erinnert noch an die alte Hammer Mühle. Jahrhundertelang hatte der Lauf des Neerbachs und des Tungelroyse Bachs die schöne mittellimburgische Landschaft nach einem natürlichen, bizarren Muster durchzogen. Bäume und andere hochwachsende Gehölze säumten die Bachufer.

Das ursprüngliche Bachtal zeichnete sich durch eine sehr abwechslungsreiche Struktur aus. In Hochwasserzeiten konnte der Abfluss durch den Bach zwar stagnieren, die Überflu-tung jedoch – das wusste man – wurde in erster Linie durch die Maas verursacht, und das wurde notgedrungen akzeptiert. Es wurde Pläne für eine Flurbereinigung erstellt, und man war der Ansicht, dass für die Verbesserung des Wasserablaufs der Neerbach kanalisiert und verbreitert werden musste. Ein Hindernis für die gleichmäßigen Ableitungen waren nicht nur die Kurven, sondern wie seit alters her auch die beiden noch bestehenden Wassermühlen. Trotz heftiger Proteste der Einwohner von Neer und einiger Organisationen gegen die Pläne des damaligen Bürgermeisters von Neer und der Wasserbehörde gegen die Art der Durchführung, wurde die Kanalisierung durchgeführt. Die schöne Landschaft und das ursprünglichen Bachtal wurden eingreifend verändert. Das Ergebnis ist ein kahler, breiter untiefer Wasserlauf mit einigen großen Kurven.

© P.W.E.A. van Bussel “De Molens van Limburg”. Die Genehmigung zur Veröffentlichung wurde vom Sohn des Verfassers erteilt.

Das Privathaus ist nicht zu besichtigen.

Adresse: Hammermolen 27, 6086 BE Neer