St. Antonius-Mühle

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in Heythuysen

Die aus Stein errichtete Berggetreidemühle St. Antonius ist bei der älteren Generation besser bekannt als „die Mühle von Coenen“. Drei Generationen der Familie Coenen haben die Mühle gepachtet und betrieben. Die letzten Windmüller waren die Brüder Jean oder Sjang und Antoon oder Toon, von denen Jean der bekanntere war. Er war unter anderem der Gründer und Vorsitzende des mittellimburgischen Müllerverbands, dessen Schriftführer Chr. van Bussel aus Weert war. Die Windmühle wurde 1860 im Auftrag von Catharina Berden, der Witwe von Theodoor Geenen, und Bernard Geenen, Brenner in Heythuysen, der Miteigentümer war, gebaut. Nach dem Tod der Witwe C. Geenen-Berden ging die Mühle in den Besitz ihrer Kinder Willem, Martinus und Dorothea über. Später wurde Martin Alleineigentümer. Er war mit Elisabeth Canoy aus Baexem verheiratet und von Beruf Brenner oder Geneverbrenner.

Die Mühle mit dem großen Müllerhaus wurde in diesem Zweig der Familie Geenen vererbt. 1930 wurde Maria Helena Seraphina Geenen, die mit Hyppolite Houtappel, Kaufmann in Maastricht, verheiratet war, Eigentümerin. Nach ihrem Tod erbten Mathieu Clement Charles Marie Houtappel und seine Schwester Maria Clemence Hyppolite Elisabeth, die mit Gustave Jos Maria Hubert van Liebergen aus Den Haag verheiratet war, die Mühle mit allem Zubehör. 1969 kaufte die Gemeinde Heythuysen die Mühle.

Die Mühle wurde als Getreide- und Ölmühle auf dem Neerakker oder „Achter het Areven“ gebaut. Die Straße erhielt später wegen der Antoniuskapelle den Namen St. Antoniusstraat.

1886 wurden eine Dampfmaschine und unten in der Mühle ein doppelter Mühlstuhl aufgestellt. Die Ölmühle wurde damals ausgebaut, und im Mühlenhügel wurden zwei Kasematten angelegt. In einer von ihnen, wahrscheinlich in der rechten, wurde die Dampfmaschine mit dem Dampfkessel aufgestellt. Die Maschine und der Mühlstuhl sind gut vierzig Jahre in Betrieb gewesen. 1927 wurden sie durch einen Elektromotor mit 25 PS und einen einzigen Mühlstuhl ersetzt.

In der Mühle hat es immer zwei Mahlgänge aus 17-er Steine gegeben. Im zweiten und zu Beginn des dritten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts wurden die blauen deutschen Natursteine durch Kunststeine setzt, die damals für das Mahlen von Futtergetreide und Roggen stark im Kommen waren. Die nicht mehr benutzten blauen deutschen Steine wurden an den Mühlenhügel gelegt. Noch in den vierziger Jahren schmückten sechs Steine den Hügel der St. Antonius-Mühle. Der letzte dieser Mahlgänge, der mit Linksschärfe ausgestattet war, was für diese Mühlenart sehr ungewöhnlich ist, kam 1972 in die Windmühle von Nuenen (Nordbrabant). Der Mahlgang erhielt 1983 vom Autor, der diese Mühle betreibt, Rechtsschärfe wie dies für Kappenwindmühlen üblich ist. 1928 wurde das Flügelkreuz der Mühle durchgreifend verändert. Die Holzwelle wurde durch eine Gusseisenwelle belgischen Fabrikats ersetzt und auf der Innenrute wurde eine Selbstregulierung angebracht. Für die Durchführung der zentralen Bedienungsstange zur Regelung des Klappenstands vom Stert aus wurde ein Langloch durch die Mitte der Welle gebohrt.

Die Haube wurde nach der Reparatur wieder mit Eichenholzschindeln gedeckt. 1936 wurde auf der Außenrute das Bilau-Stromliniensystem angebracht; auf diese Weise konnte das System der Selbstregulierung erhalten bleiben. Im Zusammenhang mit dem Bilau-Flügelsystem und den darauf einwirkenden Kräften hätte die Anwendung dieses Flügelsystems bei der Innenrute den Vorzug verdient. Sie ist die einzige Mühle in der Provinz Limburg, die Bilau-Flügel erhalten hat. Mit der Ausführung wurde der Lizenznehmer, die Firma A. Wijnveen in Voorthuizen betraut.

Das Bilau-Flügelsystem wurde in zwei Hauptausführungen angewendet. Die am meisten angewandte Ausführung hatte eine entlang dem gesamten Flügel laufende Klappe, die auf Tragklötzen oder Hockern an die Rute montiert wurde. Seltener war das System mit einer Klappe, die sich ungefähr über 80 % der Flügellänge erstreckte. An der Welle hatte das gesamte Profil die Form einer Flugzeugtragfläche. Diese Ausführung, die dem Bilau-Flügel ein schöneres Aussehen gab, wurde bei der Mühle von Heythuysen angewendet. Bei geschlossener Klappe hat allein die Rückseite des Profils einen fließenden Verlauf. Im Detail unterschieden sich Bilau-Flügel in der Weise, in der der Stand der Klappen reguliert wurde.

Die beiden Mühlenruten in der St. Antonius-Mühle stammten vom Hersteller Gebr. Fransen aus Vierlingsbeek (Nordbrabant).

Nachdem die Mühle ungefähr ein Jahr mit den Bilau-Flügeln gemahlen hatte, hielt man die dreißig Jahre alte Außenrute für zu schwach für das Flügelsystem, durch das die Mühlenrute stark wechselnden Belastungen ausgesetzt wurde. 1937 wurde deshalb beschlossen, bei den Gebr. Pot in Kinderdijk eine neue, 26 m lange Außenrute zu bestellen, die an das Flügelsystem angepasst war und an der Stelle des Wellenkopfs verstärkt wurde. Ende 1940 brach die neue Potrute aufgrund eines Konstruktionsfehlers mitten im Wellenkopf. Der Wellenkopf brach ebenfalls ab, so dass die Innenrute mit der Selbstregulierung ebenfalls hinunterstürzte.

Ende 1942 und Anfang 1943 wurde von der Firma Chr. Van Bussel aus Weert eine gebrauchte Welle und zwei gebrauchte Ruten eingesetzt, auf denen das Van Bussel-Stromliniensystem angebracht wurde. Am 24. März 1943 konnte die Mühle wieder in Betrieb genommen werden.

Laut Pachtvertrag mussten die Gebr. Coenen sämtliche Kosten tragen. Dabei handelte es sich um die Einrichtung der Mühle, die für diese Zeit als modern gelten konnte. Der Betrieb benutzte neben dem schon genannten elektrischen Mühlestuhl bereits eine elektrische Hammermühle von 40 PS und eine Mischmaschine mit Elevator. In den dreißiger Jahren war Elektrizität eine teure Energie; deshalb wurde so viel wie möglich mit Wind gemahlen. Mit den Stromlinienflügeln, dem langen Flügelkreuz und dem ziemlich kleinen Übertragungsverhältnis von 1 : 5,33 drehte sich die Mühle leicht, und das auch bei schwerer Belastung. Als Mahlsteine wurden selbstschärfende Kunststeine der Firma Gebr. Jaspers aus Aarle-Rixtel benutzt, mit denen hauptsächlich Futtergetreide gemahlen wurde. Bei der Befreiung 1944 wurde die Mühle nicht beschädigt. Der Mischfutterbetrieb wurde in den darauf folgenden Jahren von der dritten Generation der Gebr. Coenen stark vergrößert. 1960 kauften sie auch die Windmühle und den Betrieb der Erben Rutten in Roggel-Nijken. Die St. Antonius-Mühle war damals außer Betrieb, und der Pachtvertrag wurde nicht mehr verlängert. 1969 übernahm die Gemeinde Heythuysen die Mühle, die sich in schlechtem Zustand befand. Die notwendige Instandsetzung war einige Jahre nicht erfolgt. Die Haube war teilweise offen, und Dritte hatten leichten Zutritt zu Mühle, so dass im Inneren vieles zerstört wurde. Im Laufe der siebziger Jahre kam es noch zu weiteren Veränderungen. Der Mischfutterbetrieb von Coenen wurde eingestellt, und die großen runden Eisenblechsilos und die Betriebsräume standen leer. Das charakteristische Müllerhaus war unbewohnt, und auch hier kam es zu Zerstörungen und setzte der Verfall ein. Auch die Umgebung hatte ihren ländlichen Charakter bereits teilweise verloren. In diesen Jahren begann die Firma Gebr. Adriaens aus Weert mit der Restaurierung. Die umfangreichen Arbeiten fanden ihren Abschluss in einem dreitägigen Mühlenfest. Am Samstag, dem 14. Oktober 1973, löste das Provinzialausschussmitglied J. van der Woude offiziell die Achsbremse.

© P.W.E.A. van Bussel “De Molens van Limburg” 1991. Die Genehmigung zur Veröffentlichung wurde vom Sohn des Verfassers erteilt.

Nachwort: Die Mühle wurde von 2000 bis 2002 restauriert, und der Unterbau des Mühlstuhls wurde 2004 endlich wieder in einen einwandfreien Zustand gebracht.

Öffnungszeiten: Donnerstag von 12:00 bis 16:00 Uhr. Am ersten und zweiten Sonntag im Monat von 13:00 bis 17:00 Uhr.

Adresse: St. Antoniusstraat 32, 6093 GC Heythuysen Telefon: (+31) (0)475-452397